22 Feb 2019

brasilen, António Andrade brasilianische Landwirtschaftsminister

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Brasilien ist mit 201 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 8.514.876 km2 das größte Land Lateinamerikas und stellt seit mehreren Jahrzehnten weltweit einen wichtigen Akteur der Landwirtschaft dar. Die brasilianische Landwirtschaft besteht aus etwa fünf Millionen Betrieben von durchschnittlich 68 ha, bei einer landwirtschaftlich genutzten Gesamtfläche von 340 Millionen ha. Obwohl seine Landwirtschaft nur etwa 5% des BIP ausmacht, ist Brasilien ein wichtiges Exportland und nimmt bei der Produktion von Kaffee, Rohzucker, Bioethanol, Soja und Hühnern eine Spitzenstellung ein.

Antonio-AndradePreisvolatilität und Risikomanagement. Wie berücksichtigen Sie diese beiden Elemente bei Ihrer Versorgungspolitik und Ihren Marktstrategien?

Angesichts des risikogeprägten wirtschaftlichen Kontexts werden Maßnahmen zur Unterstützung der Landwirtschaft ergriffen, und zwar zu zwei verschiedenen Zeitpunkten, vor der Saat und nach der Ernte. Vor der Saat erhalten die Erzeuger eine Subvention für die Entwicklung der Kulturen und der strukturellen Investitionen in den Betrieben, unter besonderer Betonung der Produktivitätsverbesserung.

Dieser Kredit hat Fälligkeitsdaten und Zinssätze, die an die Bedürfnisse landwirtschaftlicher Aktivitäten angepasst sind.
Nach der Ernte kommen Mechanismen zur Unterstützung eines Minimalpreises für die ländlichen Erzeuger zum Einsatz, um Einnahmen und Ausgaben der Betriebe auszugleichen.

Konkret geht es dabei um die Möglichkeit, Produktionsüberschüsse zu kaufen, wenn der Marktpreis unter dem Minimum liegt. Dies geschieht bei Auktionen, die von der Regierung selbst durchgeführt werden. Bei diesen Käufen werden öffentliche Lagerbestände geschaffen, die später wieder auf den Markt gebracht werden, wenn der Preis steigt.

Wasserbewirtschaftung. Wie schützen Sie die Wasserressourcen, und mit welchen Maßnahmen oder Vorschriften optimieren Sie die landwirtschaftiche Wassernutzung?

In Brasilien gibt es seit Januar 1997 das Gesetz Nr. 9433, das eine staatliche Politik für die Wasserressourcen definiert. Daneben existieren auch öffentliche Politiken für die Wassernutzung. Die Wasserressourcen, die in der Landwirtschaft gebraucht werden, stehen unter dem Schutz von föderativen und staatlichen Behörden. Das Ministerium für Landwirtschaft, Tierzucht und Versorgung (MAPA) setzt in seinen verschiedenen Programmen und Plänen die Praktiken der nachhaltigen Entwicklung um. Zur Zeit wird ein globales Kooperationsabkommen zwischen den Agenturen der brasilianischen Bundesregierung erarbeitet, zu dessen Zielen es gehört, die nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen in den ländlichen Gebieten zu gestalten.

Diese Arbeiten zeigen, welch großen Wert man in Brasilien auf die Wasserbewirtschaftung legt. Die staatliche Wasseragentur erstellt jedes Jahr einen Bericht, der präzise Informationen über die verschiedenen Aspekte der Wasserbewirtschaftung enthält.

corcovadoGMO-Anbau. Besitzt der Anbau von genetisch modifizerten Pflanzen (Getreide und Proteinpflanzen) Ihrer Ansicht nach für die Produktionen, in denen er zum Einsatz kommt, deutliche ökonomische Vorteile, insbesondere für die Getreidewirtschaft und in der Viehzucht?

Der Einsatz von genetisch modifiziertem Saatgut (GMO) ist von großem Vorteil für die wichtigsten Erzeuger und Exporteure von Getreide und Leguminosen, zu denen auch Brasilien gehört. Durch diese Technologie kann man die Produktionskosten senken, die Produktivität steigern und den Einsatz von für Menschen und Umwelt schädlichen Pestiziden einschränken.

Ich möchte betonen, dass in Brasilien der Nationale technische Ausschuss für Biosicherheit (CTNBIO) für die Anwendung neuer Moleküle verantwortlich ist. Er setzt sich aus bekannten Wissenschaftlern und Forschern zusammen und genehmigt den Einsatz dieser Produkte nur nach umfassenden Untersuchungen, um die Sicherheit der Konsumenten in Brasilien und weltweit zu gewährleisten.

Export. Worauf basiert Ihre Exportpolitik? Über welche spezifischen Vorteile verfügt Brasilien in diesem Bereich? Würden Sie bestimmte Veränderungen der Regeln der WTO befürworten?

Die brasilianische Landwirtschaft besitzt wesentliche Vorteile hinsichtlich verschiedener Aspekte des Produktionssystems. Dazu gehörten insbesondere stabile klimatische Bedingungen, Niederschlagsmengen, die sich für die Getreideproduktion in einer tropischen Region eignen, sowie eine riesige flache Fläche mit trotz hohem Säuregehalts fruchtbaren Böden.

Die Regeln der WTO sind vernünftig und sorgen heute bereits für recht flüssige internationale Handelsbeziehungen. Allerdings sprechen sich viele Länder für eine Öffnung des internationalen Handels aus, ohne ihre eigenen Importbarrieren abzubauen, ganz abgesehen von Preiserhöhungen oder technischen und bürokratischen Hemmnissen.

Was die Veränderung der aktuellen Regeln anbelangt, liegt Brasilien sehr viel daran, dass die Exportsubventionen eingestellt werden, denn diese bilden den gravierendsten Faktor der internationalen Marktverzerrungen.

Agrarpolitik. Ist es möglich/ wünschenswert, die Agrarpolitik zu harmonisieren?

Antonio Andrade – Brasilien befürwortet die internationale Harmonisierung der Agrarpolitik und arbeitet auch selbst in diesem Sinne. Das Land ist aktiv in allen Institutionen vertreten, die bei der Regulierung des Produktionssystems, bei Verbrauch und Vermarktung von Nahrungsmitteln und Energieprodukten aus Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei intervenieren.

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